Gutachten "Untersuchungen zu möglichen betriebsbedingten
Auswirkungen von Windkraftanlagen auf Fledermäuse im Regierungsbezirk
Freiburg" vorgelegt
Gutachten bestätigt Fledermaus-Totfunde
Im Auftrag des Regierungspräsidiums Freiburg und mit finanzieller
Unterstützung der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg wurden
zwischen August 2004 und Oktober 2005 Untersuchungen zu möglichen
betriebsbedingten Auswirkungen von Windkraftanlagen auf Fledermäuse
durchgeführt. Zentrale Fragestellung der Studie war, ob und in welchem
Ausmaß die aus Nord- und Mitteldeutschland sowie aus dem Ausland
berichteten Kollisionen von Fledermäusen an Windkraftanlagen auch im
Regierungsbezirk Freiburg auftreten. Im Rahmen der Studie wurden vier
Themenblöcke untersucht:
- die Suche von Kollisionsopfern unter bestehenden Anlagen,
- Untersuchungen zur Ermittlung von Korrekturfaktoren, die ermöglichen
von der Zahl der Totfunde auf die wahrscheinlich tatsächlich
verunglückte Zahl von Fledermäusen zu schließen
- die Untersuchung der Kollisionsopfer in Hinblick auf die Todesursache und
- Beobachtungen zum Verhalten der Fledermäuse an den Windkraftanlagen mittels einer Wärmebildkamera.
Im Zeitraum Ende Juli bis Ende Oktober 2004 wurden alle fünf Tage
Aufsammlungen von toten Fledermäusen unter 16 im Regierungsbezirk
Freiburg repräsentativ ausgewählten Anlagen überwiegend im Schwarzwald
und seiner Vorbergzone (Höhenlagen zwischen 470 und 1100 ü.NN)
durchgeführt. Zusätzlich wurden an 16 weiteren Anlagen im gleichen
Gebiet und Zeitraum ergänzend jeweils zwei bis drei Sonderkontrollen
durchgeführt. Im Zeitraum Anfang April bis Mitte Mai sowie von Mitte
Juli bis Mitte Oktober 2005 wurden acht der bereits 2004 kontrollierten
Anlagen im selben Rhythmus erneut abgesucht.
Die Untersuchungen führten zu folgenden Ergebnissen:
· Unter Berücksichtigung der Sucheffizienz, der Abtragrate (z. B. durch
Fuchs oder Wespen) sowie dem Flächenfaktor, der das Verhältnis von
abgesuchter zu nicht absuchbarer Flächen in einem 40 m Radius
beschreibt, kann von den durch Funde belegten Totfunden auf einen
Schätzwert für die tatsächliche Anzahl von Kollisionsopfern
hochgerechnet werden. Die Hochrechnung ergibt für die 2004 regelmäßig
kontrollierten 16 Anlagen insgesamt 335 Kollisionsopfer (unter
Berücksichtigung der Streuung bei der Abtragrate im Minimum 269 und im
Maximum 446 Tiere), dies entspricht Werten von 20,9 Tieren (16,6-27,9)
pro Anlage. Für die 2005 untersuchten Anlagen ergibt sich ein Wert von
insgesamt 95 Kollisionsopfern (75-125), dies entspricht einem Wert von
11,8 Tieren (9,4-15,6) pro Anlage.
· Insgesamt wurden 50 tote Fledermäuse, 45 während der systematischen
Aufsammlungen und fünf weitere bei den Sonderkontrollen gefunden.
Bezogen auf die acht in beiden Jahren untersuchten Anlagen ergeben sich
große Unterschiede zwischen den Jahren, da 2004 hier insgesamt 31
Tiere, 2005 aber bei gleicher Kontrollintensität nur 10 Tiere gefunden
wurden.
· Die Funde verteilen sich auf die Arten Zwergfledermaus (39 Tiere),
Kleinabendsegler (8 Tiere), Zweifarbfledermaus (2 Tiere) und eine
Breitflügelfledermaus.
· Neben den Fledermäusen konnten nur neun Vögel als Totfunde
registriert werden (je drei Mehlschwalben und Mauersegler sowie ein
Alpensegler, ein Goldhähnchen und ein Orpheusspötter). Bei den
Nachsuchen wurden entsprechend fünf mal mehr Fledermäuse als Vögel
gefunden.
· Die durchschnittliche Sucheffizienz in den unterschiedlich
strukturierten Absuchflächen beträgt im offenen Bereich 84 %, im
schwach überwachsenen Bereich 77 % und im stark überwachsenen Bereich
40 %.
· Die Abtragrate von Kadavern unter den Anlagen ist zwischen den
Standorten unterschiedlich, in Durchschnitt aller Versuche aber relativ
hoch. Sie beträgt bezogen auf den fünftägigen Kontrollzeitraum im
Mittel 58,8 %.
· Die meisten Kollisionsopfer wurden Ende Juli bis Mitte August und
Anfang September registriert. Im Zeitraum Anfang April bis Mitte Mai
2005 wurden an den acht abgesuchten Anlagen keine Tiere gefunden.
· Die meisten Totfunde wurden unter Anlagen, die im Wald oder auf Windwurfflächen stehen, registriert.
Die Studie berücksichtigt, dass aufgrund der Zeitintervalle zwischen
den Suchvorgängen Fledermauskadaver durch Tierfraß etc. abgetragen
werden. Durch Vor-Ort-Experimente zur Ermittlung der Verweildauer von
Kadavern können Rückschlüsse von den tatsächlichen Totfunden auf die
mit großer Wahrscheinlichkeit wirklich zu Tode gekommenen Fledermäusen
gezogen werden. Außerdem wurden Experimente zur Bestimmung der
Sucheffizienz durchgeführt, in dem eine bekannte Zahl von Attrappen von
einer nicht mit der Suche befassten Begleitperson aufgebracht wurde.
Die Suche erfolgte in einem Radius von 50 m um den Mastfuß, wobei der
sich am weitesten entfernte Fund in einem Abstand von 37 m zum Mastfuß
der Windkraftanlage befand. Auch der unterschiedliche Flächenbewuchs
wurde berücksichtigt.
Quelle: http://www.rp-freiburg.de
|