BfN und Museum Koenig zu Fledermaus-Wanderungen: Rauhautfledermaus hält den Weltrekord
Bonn, den 1. März 2006: Europas Fledermäuse führen
ähnliche Wanderungen zwischen ihren Sommer- und Winterlebensräumen aus
wie Zugvögel. Die bisher weiteste Flugentfernung wurde bei einer
Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) vom Bundesamt für Naturschutz
(BfN) und Museum Koenig festgestellt. Die Fledermaus war in Lettland markiert und 1.905 km südlich in Kroatien wieder gefunden worden.
Weitere Höchstleistungen wurden bei Zweifarbfledermaus (1.787 km), Abendsegler (1.600 km) und Kleinabendsegler (1.568 km)
festgestellt. "Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass die
tatsächlichen Flugstrecken der nachtaktiven Tiere weit größer sind, als
es die dokumentierten Entfernungen zwischen den Markierungs- und
Wiederfundorten zeigen. Die Flugwege der Fledermäuse verlaufen nämlich
nicht geradlinig, sondern folgen zumeist landschaftlichen Strukturen
wie Flüssen, Tälern oder Waldrändern. Deshalb ist die Erhaltung
unzerschnittener, naturnaher Lebensraum-Korridore als Wanderwege für
die Fledermäuse notwendig," erklärte Prof. Dr. Hartmut Vogtmann, Präsident des Bundesamtes für Naturschutz.
Seit 1932 erforschen Wissenschaftler diese Ortswechsel, indem sie
den kleinen Säugetieren Metallklammern an die Flügel heften, auf denen
ein Nummerncode eingraviert ist. Das BfN
und das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn werteten
in den letzten vier Jahren die vorliegenden Beringungs- und
Wiederfunddaten von Fledermäusen aus. Das Forschungsprojekt wurde in
Zusammenarbeit mit Fledermausforschern aus dem In- und Ausland
durchgeführt und durch das Bundesumweltministerium als Beitrag zum
europäischen Fledermausschutz-Abkommen "EUROBATS" finanziert.
In Europa wurden bisher etwa eine Million Fledermäuse markiert. Das
Museum Koenig konnte 7.366 Wiederfunde auswerten, die in größerer
Entfernung vom Markierungsort gelungen waren. Die Ergebnisse zeigen,
dass die 36 untersuchten Fledermausarten Europas in drei Gruppen
unterteilt werden können:
- Fernwanderer, die alljährlich 1.500 bis 2.000 km
weit zwischen ihren Sommer- und Überwinterungsgebieten hin- und
herfliegen (Abendsegler, Kleinabendsegler, Rauhautfledermaus und
Zweifarbfledermaus),
- regionale Wanderer, die über Entfernungen von 100 bis 800 km wandern (z.B. Großes Mausohr, Mopsfledermaus, Wasserfledermaus, Zwergfledermaus), und
- stationäre Arten, die keine weiten Wanderungen durchführen (z.B Kleine Hufeisennase, Bechsteinfledermaus, Braunes Langohr).
Über einige Fledermausarten ist noch so wenig bekannt, dass sie keiner der drei Gruppen zugeordnet werden können (z.B. Riesenabendsegler und Mückenfledermaus).
Die von Lettland nach Kroatien geflogene Rauhautfledermaus hält
einen Weltrekord, denn auch in Amerika wurde bisher keine noch weitere
Fledermaus-Wanderung beobachtet.
Die Forschungsergebnisse sind nun vom Bundesamt für Naturschutz als
Heft 28 seiner Schriftenreihe "Naturschutz und Biologische Vielfalt"
veröffentlicht. Darin wird auch die Geschichte der Fledermausmarkierung
in Europa zusammengefasst und eine Übersicht über die entsprechenden
Forschungsaktivitäten in 23 Staaten gegeben. Der Bericht ist in
englischer Sprache, um die Fledermausforscher in ganz Europa zu
informieren.
Bezugs-Hinweis:
Rainer Hutterer, Teodora Ivanova, Christine Meyer-Cords & Luisa Rodrigues (2005):
Bat Migrations in Europe - A Review of Banding Data and Literature.
Naturschutz und Biologische Vielfalt 28, Bonn.
Erhältlich beim BfN-Schriftenvertrieb im Landwirtschaftsverlag, Münster.
Information:
2006 begeht der staatliche Naturschutz sein 100jähriges Jubiläum.
Aus der Gründung der staatlichen Stelle für Natur-Denkmalpflege 1906 in
Danzig ist das heutige BfN
entstanden. Der diesjährige Deutsche Naturschutz-Tag (29.5. bis 3.6.06
in Bonn) greift unter dem Motto "Von lokalem Handeln und globaler
Verantwortung" das Ereignis auf.
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